Das Leben eines Jägers – Kapitel 1 “Heimat”
Die Sonne stand schon sehr tief an diesem lauen Sommerabend als Thornloc und sein Begleiter endlich die Taverne von Goldshire erblickten. Er war froh nach diesem langen Fussmarsch endlich sein Ziel erreicht zu haben. Irgendwas hatte sich in dem kleinen Dorf verändert, aber er konnte nicht sagen was es war. Vor langer Zeit hatten hier seine Reisen begonnen.
Den ganzen Tag waren Samson, sein treuer Weggefährte und er bereits unterwegs. Der alte, treue Bär lief zufrieden neben ihn. Die Heilkräfte einer jungen Druidin aus Auberdine hatte er in Anspruch genommen, bevor sie losgezogen waren. In Lakeshire hatten sie so ganze 3 Monate verbringen müssen. Die Kämpfe im Redridgegebirge waren vobei, aber sie hatten keinen Sieg gegen die Orks errungen. Die Armee der Zwerge und Menschen mussten sich geschlagen auf dem Schlachtfeld zurückziehen. Die Truppen der Orks waren keine regulären Truppen der Horde. Es waren diese, bei der Allianz, ungeliebten Splittergruppen die Ihnen das Leben schwer machten. Die Sicherheit rund um den See war immer noch nicht gewährleistet. Mürrisch betrachtet er seinen Geldbeutel. Nicht viel war von seinen Ersparnissen übrig geblieben. Viel Gold hatte er während der letzten Monate für Reparaturen an seiner Ausrüstung ausgegeben.
Der alte Zwerg war müde. Er sehnte sich die Zeit zurück, in der er noch zusammen mit seinen Freunden auszog um Abenteuer zu erleben. Thornloc lies seine Gedanken schweifen. Über Ironforge, die Stadt der Zwerge, reiste er damals mit der legendären Tiefenbahn nach Stormwind, der stolzen Stadt der Menschen. Dort lernte er die kleine Gnom-Magierin Katriná kennen, die ebenfalls Ihre Heimat verlassen hatte. Die kleine schwarzhaarige Gnomin mit der piepsigen Stimme hatte er sofort ins Herz geschlossen. Ihre pech schwarzen Haare hatte Sie zu zwei kleinen, nach hinten abstehenden Zöpfen zusammengebunden. Auch wenn die beiden nicht immer einer Meinung waren, hielten sie bei Ihren Reisen stets zusammen.
Viele Jahre waren in der Zwischenzeit vergangen und Katriná hatte er schon einige Monate nicht mehr gesehen. Monate? Waren es vielleicht schon Jahre? Der Zwerg runzelte die Stirn. Verdammt ich kann mich nicht erinnern, grummelte er. Nachdenklich strich er seinem Begleiter durch das dicke Fell. Als das dunkle Portal sich wieder geöffnet hatte, reiste Katriná mit vielen anderen in die Scherbenwelt. Sie wollten dort ihr Glück suchen, wo eine ganze Welt zerbrochen war. Thornloc hatte immer geschworen irgendwann nachzukommen. Bei diesem Schwur blieb es bis heute. Er verspürte damals keinen Drang auf neue Abenteuer. Musste er doch erstmal das Erlebte verarbeiten. Nur einmal reiste er für 1-2 Tage zur Ehrenfeste. Ein entfernter Verwandter von ihm brauchte etwas Nethergarde Bitter. Aber auch das ist schon wieder viele viele Monate her.
Er betrat die kleine Taverne und wunderte sich nicht darüber das nur noch wenige Menschen sich hier aufhielten. Die meisten Bewohner waren weggezogen, nachdem das letzte große Bündniss zwischen der Horde und der Allianz gebrochen war. Auch die in der Nähe lebenden Murlocstämme erschwerten das Leben in Goldshire. In der Feuerstelle brannte ein schönes warmes Feuer. Das Holz knisterte und knackte und der helle Feuerschein wabberte über die Wände. Er setzte sich gegenüber dem Ausschank, bestellte ein gutes starkes Bier und etwas gebratenes Wolfsfleisch. Er wollte die Nacht in Goldshire verbringen, bevor er weiter nach Stormwind reiste. Nach dem Essen legte sich der Zwerg im ersten Stock des Hauses schlafen. Die Zimmer waren gut und preiswert.
Früh am nächsten Morgen packte der Jäger seine Sachen. Der kurze Fußmarsch nach Stormwind würde seine müden Geister wecken. Samson wartete schon ungeduldig vor der Tür. Die Tiere mussten draussen im Stall bleiben nachdem vor einigen Jahren ein Sumpfkrokodil, ein Begleiter eines Nachtelfenjägers, die halbe Taverne auseinander genommen hatte. Nur die Stadtwache von Stormwind konnte schlimmeres verhindern. Er musste schmunzeln. War er doch in jener Nacht Gast in diesem Hause. Seine Weggefährten und er hatten hier oft Rast gemacht.
Den kurzen Weg nach Stormwind hätte Thornloc auch blind laufen können. In jungen Jahren, als sein Abenteuerleben begonnen hatte, reiste er oft zwischen Westfall, Goldshire und Stormwind hin und her. Westfall selbst, die Kornkammer der Hauptstadt war in der Zwischenzeit wieder in der Hand des Königsreiches. Die Defiasbruderschaft wurde vertrieben und die alten Minen waren eingestürzt. Selbst über den Hintereingang auf der Meeresseite konnte man nicht mehr in das Innere gelangen. Der Tod von van Cleef war der Anfang vom Ende der Bruderschaft in Westfall. Dennoch existierte die Defiasbruderschaft nach wie vor. Der SI7, der Geheimdienst des Königs beobachtete immer noch die Untergrundaktivitäten. Viele Agenten standen aber nicht mehr zur Verfügung. Nachdem das dunkle Portal sich wieder geöffnet hatte, brauchten die Einheiten in der Ehrenfeste und in Shattrath Verstärkung.
Im Tal der Helden angekommen schaute Thornloc argwöhnig auf eine der kleinen Insel links neben der Brücke. Dort saß eine Shamanin, eine Draenei Shamanin. Er konnte mit diesem Volk nicht sehr viel anfangen. Er hatte zwar in den letzten Monaten des öfteren mit tapferen und ehrenvollen Krieger der Draenei Seite an Seite gekämpft, aber dennoch misstraute er ihnen. Hufe statt Füße schoss es ihm urplötzlich durch den Kopf. Er schüttelte den Kopf. Ein komisches Volk. Aber, so dachte er, man würde sich auch an die Draenei gewöhnen. Sie waren ein wertvoller Verbündeter in diesen rauen Zeiten. Es gab eigentlich nur einen Draenei zu dem der Jäger ein wenig Vertrauen aufgebaut hatte und das war Suros. Ein junger starker Krieger, der nach seiner Ausbildung auf den Azymythosinsel direkt an die Front geschickt wurde. Suros hatte ihm bei einer Schlacht in der Nähe von Lakeshire das Leben gerettet. Er war ihm sicherlich dankbar gewesen aber es gab unter den Zwergen nicht so etwas wie eine Blutschuld. Trotzdem hatte der Krieger, der mit seiner Einheit im Gebirge geblieben war, um dort die Bürger zu beschützen, jetzt etwas gut bei ihm. Er war sich sicher, dass er ihn bald wiedersehen würde.


